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Käse-Klassen Festigkeit und F.i.T. — Pflichtangaben Hofkäserei

Welche Festigkeitsklasse, welche Fettstufe und welche Bezeichnung dein Hofkäse braucht — und wo bei Frischkäse, Weichkäse und Hartkäse die Beanstandungen lauern.

Von Sascha Ardeleanu · ·

Jeder Hofkäse braucht zwei Pflicht-Angaben in der Verkehrsbezeichnung: die Festigkeitsklasse (Hartkäse, Schnittkäse, Weichkäse, Frischkäse nach Wassergehalt im fettfreien Käse) und die Fettstufe als F.i.T.-Wert (z.B. Vollfett ab 45 % F.i.T.). Fehlt eine der beiden, ist die Beanstandung sicher — Bergkäse Vollfett oder Schnittkäse F.i.T. 45 % ist das richtige Muster.

Wer als Hofkäserei Direktvermarktung betreibt, muss sein Etikett wissenschaftlich präzise machen. Die Käseverordnung definiert Festigkeitsklassen und Fettstufen mit harten Grenzwerten. Wer hier falsch deklariert, riskiert eine Beanstandung — und Etiketten mit Berg-Frischkäse 45 Prozent Fett wo eigentlich nur Frischkäse 35 Prozent in Trockenmasse drinsteht, sind die häufigsten Fehler in Hofkäserei-Kontrollen.

Die zwei Pflicht-Klassifikationen

Jedes Käseprodukt braucht zwei Angaben in der Verkehrsbezeichnung:

  1. Festigkeitsklasse — beschreibt die Wassergehalts-Range im fettfreien Käse (WfK)
  2. Fettstufe — beschreibt den Fettgehalt in der Trockenmasse (F.i.T.)

Diese beiden Werte sind unabhängig voneinander, ergeben aber kombiniert die Verkehrsbezeichnung. Beispiel Bergkäse hart-vollfett bedeutet harte Festigkeitsklasse plus Fettstufe vollfett.

Festigkeitsklassen nach KäseV

Die deutsche Käseverordnung definiert sechs Festigkeitsklassen, basierend auf dem Wassergehalt im fettfreien Käse (WfK):

KlasseWfK-BereichTypische Beispiele
Hartkäseunter 56 ProzentBergkäse, Parmesan, Sbrinz
Schnittkäse54 bis 63 ProzentTilsiter, Gouda, Edamer
Halbfester Schnittkäse61 bis 69 ProzentEdamer-Brot, Edelpilz, Butterkäse
Sauermilchkäse60 bis 73 ProzentHarzer, Mainzer, Korbkäse
Weichkäseüber 67 ProzentCamembert, Brie, Limburger
Frischkäseüber 73 ProzentQuark, Hüttenkäse, Topfen

Wichtig die Klassen können überlappen — ein Käse mit WfK 62 Prozent ist Grenzfall zwischen Schnittkäse und Halbfestem Schnittkäse. Du musst dich entscheiden und konsistent etikettieren.

Die WfK-Messung erfolgt durch Trocknung einer Probe bei 102 Grad Celsius bis Gewichts-Konstanz. Daraus wird der Wassergehalt errechnet, ohne den Fettanteil. In der Hofkäserei wird das selten selbst gemessen, sondern aus Rezept-Daten plus Erfahrung abgeschaetzt — bei Beanstandung muss die Klassifikation aber labortechnisch bestätigt werden.

Fettstufen nach KäseV

Die Fettstufe gibt den Fettgehalt in der Trockenmasse (F.i.T.) an. Acht Stufen sind möglich:

StufeF.i.T. RangeEtiketten-Bezeichnung
Doppelrahmstufemindestens 60 ProzentDoppelrahmstufe
Rahmstufemindestens 50 ProzentRahmstufe
Vollfettstufemindestens 45 ProzentVollfett oder vollfett
Fettstufemindestens 40 ProzentFettstufe oder fett
Dreiviertelfettstufemindestens 30 ProzentDreiviertelfettstufe oder dreiviertelfett
Halbfettstufemindestens 20 ProzentHalbfett oder halbfett
Viertelfettstufemindestens 10 ProzentViertelfett oder viertelfett
Magerstufeunter 10 ProzentMagerstufe oder mager

Die Pflicht-Stelle auf dem Etikett ist eindeutig F.i.T. + Prozentangabe, also z.B. F.i.T. 45 Prozent oder Fett in der Trockenmasse 50 Prozent.

Alternative seit LMIV-Reform 2014: relative Fettangabe Pro 100 Gramm Käse in der Nährwerttabelle. Bei kleinen Etiketten unter 80 Quadratzentimeter kann die F.i.T.-Angabe entfallen, wenn die Nährwerttabelle den absoluten Fettgehalt zeigt.

Verkehrsbezeichnung kombiniert

Die typische Verkehrsbezeichnung kombiniert Festigkeitsklasse und Fettstufe. Beispiele:

  • Hofkäse Schnittkäse Vollfett (oder Hofkäse Schnittkäse F.i.T. 45 Prozent)
  • Bergkäse Hart Vollfett
  • Frischkäse Halbfett
  • Camembert Weichkäse Rahmstufe
  • Quark Frischkäse Magerstufe

Du kannst die Bezeichnung mit einem Fantasienamen kombinieren — Bergmacher Hofkäse Schnittkäse Vollfett — aber der Käse-Typ (Festigkeit und Fett) muss erkennbar bleiben.

F.i.T. richtig berechnen

Die Fett-in-Trockenmasse-Berechnung kann man im Hof-Labor mit einfacher Formel nähern:

F.i.T. Prozent = Fettgehalt im Käse / Trockenmasse × 100

Beispiel ein Schnittkäse mit 28 Prozent Fett und 60 Prozent Trockenmasse: F.i.T. = 28 / 60 × 100 = 46.7 Prozent

Damit ist der Käse in der Fettstufe Vollfett (45 Prozent F.i.T. Minimum).

Präzise Messung erfolgt im Labor mit dem Referenzverfahren nach Schmid-Bondzynski-Ratzlaff (Fett-Extraktion plus Trocknung). Genauigkeit besser als plus minus 1 Prozent. Für Routine reichen Rezept-Berechnung plus 1-2 Labor-Kontrollen pro Jahr.

Sonderfall Rohmilchkäse

Wenn dein Käse aus nicht erhitzter Rohmilch hergestellt ist, brauchst du den Pflicht-Hinweis aus Rohmilch hergestellt. Detail dazu im Ratgeber zum Rohmilchkäse-Hinweis. Dieser Hinweis ist unabhängig von Festigkeitsklasse und Fettstufe und muss zusätzlich auf dem Etikett stehen.

Sortenspezifische Pflichten

Manche Käsesorten haben zusätzliche Pflicht- oder Schutzangaben:

Geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) — z.B. Allgäuer Bergkäse, Tiroler Bergkäse, Sbrinz AOP. Nur Betriebe im geschützten Gebiet und nach Spezifikation dürfen diese Bezeichnungen tragen.

Geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) / geografische Angabe (g.g.A.) — bei Käse meist g.U.: Allgäuer Bergkäse und Allgäuer Emmentaler tragen zum Beispiel das g.U.-Siegel. Wer so eine geschützte Bezeichnung nutzen will, muss die jeweilige Spezifikation einhalten.

Codex Alimentarius Standard — internationale Definitionen für Sorten wie Cheddar, Edam, Camembert. Wer diese Bezeichnungen verwendet, muss die Codex-Definition einhalten — z.B. Camembert mindestens 30 Prozent F.i.T. (sonst nicht Camembert).

Nährwertdeklaration bei Hofkäse

Die Nährwertdeklaration nach Anhang XV LMIV ist auch bei Hofkäse Pflicht. Sieben Werte pro 100 Gramm:

  • Brennwert (kJ/kcal)
  • Fett
  • Davon gesättigte Fettsäuren
  • Kohlenhydrate
  • Davon Zucker (bei Käse typisch 0)
  • Eiweiß
  • Salz

Bei reinem Hofkäse mit weniger als 1.2 Prozent Zucker (was Standard ist) kann der Zucker-Wert ausgewiesen werden, muss aber nicht detailliert sein.

Direktvermarkter-Ausnahme nach ALTS-Auslegung kann unter bestimmten Bedingungen die Nährwertdeklaration entfallen — bei sehr kleinen Mengen, regionalem Vertrieb und handwerklicher Herstellung. Die Auslegung ist je nach Bundesland unterschiedlich, frag bei deinem Veterinär- oder Lebensmittelüberwachungsamt nach. Mehr Hintergrund im Ratgeber zu Direktvermarkter-Pflichtangaben.

Allergen-Hervorhebung bei Käse

Die wichtigsten Allergene bei Käse:

  1. Milch und Laktose — implizit klar, aber muss in Zutatenliste fett oder unterstrichen sein
  2. Glutenhaltiges Getreide — bei Frischkäse mit Korn- oder Knäckebrot-Hinzufügung
  3. Schalenfrüchte — bei Käse-Cremes mit Nüssen
  4. Sellerie / Senf — bei würzigen Hofkäsen mit Zusatzstoffen
  5. Sulfite — selten bei Käse, kann aber bei industrieller Konservierung relevant sein

Die Pflicht-Hervorhebung erfolgt durch fette Schrift, Unterstreichung oder Großbuchstaben — siehe Allergen-Hervorhebung Ratgeber.

Charge und MHD bei Käse

Käse ist meistens MHD-Pflicht-Produkt (Mindesthaltbarkeitsdatum), nicht Verbrauchsdatum. Ausnahme sind sehr frische Frischkäse und Quark, die als leicht verderblich gelten und Verbrauchsdatum brauchen können.

Typische Haltbarkeit:

  • Frischkäse / Quark: 2-4 Wochen ab Herstellung (mit Verbrauchsdatum)
  • Weichkäse: 4-8 Wochen ab Herstellung
  • Schnittkäse: 3-6 Monate
  • Hartkäse: 8-18 Monate

Die Charge dokumentiert die Schleuder-/Pressung-Einheit. Bei kleineren Hofkäsereien ist die Charge oft identisch mit dem Kessel-Inhalt oder der Tageskäse-Produktion. Mehr zur Charge-Logik und Rückverfolgbarkeit im Ratgeber Lieferschein und Rückverfolgbarkeit.

Reifedatum als Marketing-Faktor

Anders als das MHD kann das Reifedatum auf dem Etikett ein starkes Marketing-Argument sein. Bei Hartkäse-Sorten wie Bergkäse ist der Hinweis 12 Monate gereift oder 18 Monate Reifekeller premium-wirksam.

Wichtig die Reifezeit muss korrekt sein — du kannst keinen 6-Monat-gereiften Bergkäse als 12 Monate gereift verkaufen. Bei einer Prüfung wird das über das Kessel-Datum plus Lager-Aufzeichnung kontrolliert.

Schimmelreifung und Edelpilz-Hinweise

Bei Weichkäse mit Edelschimmel (Camembert, Brie) ist der Hinweis mit Edelschimmel typisch — aber nicht zwingend Pflicht solange Camembert oder Brie als Verkehrsbezeichnung steht (diese impliziert Edelschimmel).

Bei Blauschimmel-Käse (Blue, Edelpilz, Gorgonzola-ähnlich) ist die Bezeichnung Edelpilzkäse plus Festigkeitsklasse plus Fettstufe üblich. Wenn du Roquefort-Aehnlichkeit haben willst, denke an die geschützte Ursprungsbezeichnung — Roquefort g.U. darfst du nur verwenden wenn du in der Region Roquefort produzierst.

Schweiz spezifisch

In der Schweiz gilt die EDI-Verordnung über Lebensmittel tierischer Herkunft mit eigenen Definitionen. Schweizer Käsegrenzwerte sind teilweise enger als die deutschen. Wichtige Beispiele:

  • Emmentaler AOP — geschützt, nur Käse aus dem Emmental-Gebiet darf so heißen
  • Gruyere AOP — geschützt, nur aus bestimmten Kantonen
  • Sbrinz AOP — Hartkäse-AOP

Wenn du als deutscher oder österreichischer Hofkäser einen Berg-Hartkäse machst, darfst du nicht Schweizer Emmentaler-Stil schreiben, weil das die geschützte Bezeichnung verletzt. Berg-Hartkäse im Stil eines Bergkäse ist OK.

Prüfliste vor jeder neuen Käse-Charge

Vor dem Etikettieren einer neuen Hofkäse-Charge:

  1. Festigkeitsklasse bestätigt durch Wassergehaltsmessung oder Erfahrungswert?
  2. F.i.T. berechnet oder gemessen und in korrekter Stufe (Vollfett, Halbfett etc.)?
  3. Verkehrsbezeichnung kombiniert Festigkeit plus Fett plus optional Fantasiename?
  4. Rohmilch-Hinweis wenn aus nicht-pasteurisierter Milch?
  5. Allergen-Hervorhebung Milch fett gedruckt?
  6. MHD oder Verbrauchsdatum richtig gewählt (Verbrauchsdatum bei leicht verderblichem Quark)?
  7. Charge oder Los lesbar aufgedruckt?
  8. F.i.T. plus Prozentangabe im Pflichtbereich?
  9. Geschützte Bezeichnungen vermieden (Camembert, Emmentaler, Bergkäse geschützt)?
  10. Nährwerttabelle vollständig oder Direktvermarkter-Ausnahme dokumentiert?

Diese zehn Punkte trennen die saubere Hofkäserei von der mit Beanstandungs-Risiko. In 15 Minuten pro neue Charge geprüft, kostet kaum Zeit, spart aber bei jeder Kontrolle Stress.

Quellen

  1. Käseverordnung Deutschland (KäseV)
  2. VO (EU) Nr. 1169/2011 LMIV konsolidierte Fassung
  3. Codex Alimentarius Standard 283-1978 Allgemeiner Standard für Käse
  4. Österreichischer Lebensmittelcodex Kapitel B 32 Käse
  5. Schweizer Verordnung des EDI über Lebensmittel tierischer Herkunft
  6. BMLEH Lebensmittelkennzeichnung Pflichtangaben
  7. LGL Bayern Käse und Milchprodukte Pflichtangaben
  8. AGES Österreich Milch und Milchprodukte
  9. Verband Hofkäser e.V. Praxis-Leitfaden Etikettierung
  10. Milchwirtschaftlicher Verein der Schweiz

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Hinweis: Dieser Artikel ist eine redaktionelle Zusammenfassung öffentlich zugänglicher Quellen, keine Rechtsberatung. Vor Druckfreigabe einer neuen Etiketten-Serie empfehlen wir eine Prüfung durch deine zuständige Lebensmittelaufsicht oder einen Lebensmittelrechtler. Stand der hier zitierten Verordnungen: 8. Juni 2026.